Wolfgang Grupp

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Wolfgang Grupp

Unternehmertum und Verantwortung

„Er sagt, was er denkt. Das gefällt mir – und ihnen hoffentlich auch“. Mit diesen Worten begrüßte die Vorsitzende der Bittmann-Stiftung, Sabine Bittmann, am vergangenen Freitagabend das Publikum in der proppenvollen Aula des Meisenheimer Paul-Schneider-Gymnasiums. Die Bittmann-Stiftung setzte ihre Vortragsreihe mit dem über die Grenzen Deutschlands bekannten Trigema-Unternehmer Wolfgang Grupp fort. Das Thema: Unternehmertum in Deutschland.

Sabine Bittmanns Hoffnung sollte sich erfüllen: Deutlich mehr als 500 Gäste kommentierten Grupps Ansichten zwischendurch immer wieder mit begeistertem Applaus. Mitreißend und geistreich plauderte Grupp über Unternehmensführung und Unternehmenskultur, Unternehmergeist und unternehmerische Verantwortung. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug, keine Minute war langweilig.

Es war ein Plädoyer für den mit seinem Kapital haftenden Einzelunternehmer, der seine Firma als eingetragener Kaufmann (e.K.) führt, so wie er, Grupp, es tut. Der ehrbare Kaufmann, auf dessen Wort Verlass ist, der ein Geschäft mit dem königlichen Handschlag besiegelt – das ist im Kern Grupps Idealvorstellung vom Unternehmer, wie es ihn in Deutschland überwiegend geben sollte. Natürlich weiß auch Grupp, dass dieser Idealtyp eines Unternehmers schwer zu erfüllen ist, aber einige grundlegende Anforderungen hält er für unabdingbar, beispielsweise Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein sowie Wertschätzung der Mitarbeiter. „Dahin müssen wir zurück“, fordert er im Hinblick auf Investoren, die lediglich Gewinnmaximierung im Sinn hätten, im Falle ihres Scheiterns aber nach dem Staat riefen. Solch verantwortungslosen Managern mache es der Staat zu leicht, findet Grupp unter dem Beifall der Zuhörerschaft. Er nennt das Beispiel einer Firmeninsolvenz, bei der sich die Inhaber noch eine Millionen Euro teure Yacht gönnten. „Das darf nicht sein“, kommentierte Grupp mit Unverständnis derartige Möglichkeiten, sich aus der Verantwortung ziehen zu können.

Freilich, auch die Rechtsform des Einzelkaufmanns schützt nicht vor schwarzen Schafen mit kriminellen Machenschaften, wie der Trigema-Chef einräumte, als er auf den Fall Schlecker angesprochen wurde.

Verantwortung erschöpft sich für Grupp nicht in maßlosem Wachstum, als vielmehr im Maßhalten: „Die Firma darf nur so groß werden, dass ich sie noch überblicken kann.“ Nicht weniger wichtig: das Erkennen von Problemen und deren Lösung und zwar unverzüglich. „Wer ein großes Problem hat, ist ein Versager“, sagt Grupp: „Weil ein großes Problem einmal ein kleines Problem war. Warum hat er es nicht gelöst als es noch klein war?“ Alleine der Unternehmer sei verantwortlich. „Wenn Trigema ein Problem hat, gibt’s nur einen Verantwortlichen und das bin ich.“

Das sind einleuchtende Sätze, für die Grupp immer wieder Applaus erntete. Grupp fürchtet weder Mindestlohn noch die Konkurrenz aus China. „Wenn das Produkt den Mindestlohn nicht verträgt, dann habe ich das falsche Produkt.“  Wenn die Chinesen preiswerter produzieren, dann muss ich eben besser und innovativer sein“. 

Beim Thema Lohn spiele die Gerechtigkeit eine große Rolle. „Wenn einer mehr leistet, muss er auch mehr verdienen, und das wird auch akzeptiert.“

Der Firmenpatriarch aus Burladingen, der die Verantwortung zum 1. Januar 2024 an seinen Sohn und seine Tochter übergibt,  hat sich nicht einem Preisunterbietungswettbewerb ausgesetzt. Den Wandel am Markt rechtzeitig erkennen und ihn einleiten („Augen auf, Ohren auf, den Wandel erkennen“), ist für Grupp ebenfalls essenziell. Er höre auf seine Mitarbeiter, die Entscheidung treffe er.   Die Reihe seiner Grundsätze lässt sich fortsetzen. Die Wertschätzung seiner Mitarbeiter gehört ebenso dazu wie die Arbeitsplatzssicherheit, die er garantiert.  Dass er  sich nicht abhängig macht von Banken und Kunden, hätte fast nicht einer Erwähnung bedurft.

Seine Meinung zu gesellschaftspolitischen Erscheinungen lässt er gelegentlich in seinem Vortrag aufblitzen. So begrüßt er durchaus in der Flüchtlingsfrage eine Willkommenskultur, „wenn aber jemand hier ein Verbrechen begeht, dann muss er weg.“

Grupp ist an diesem Abend seinem Ruf treu geblieben als Mann der klaren Worte. Aber auch als einnehmender Redner, humorvoll, geistreich und mit einem Hang zur (Selbst)-Ironie. So dankte er gleich zu Beginn dafür, ihn für erfolgreich zu halten. „Ich soll angeblich erfolgreich sein. Erfolgreich sein ist einfach, aber es zu bleiben…Viele waren erfolgreich und sind als Versager beerdigt worden.“ Der Einstand war ihm gelungen, das Publikum auf seiner Seite.